Der Kreistag des Landkreises Obertiefenberg hat in seiner jüngsten Sitzung den Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 vorgestellt — und er verspricht, der ambitionierteste in der Geschichte des Landkreises zu werden. Mit einem Gesamtvolumen von 284 Millionen Euro und Investitionsausgaben in Höhe von 47 Millionen Euro plant die Kreisverwaltung umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen, die die Region nachhaltig stärken sollen.
Schwerpunkt Straßen und Brücken
Der größte Einzelposten im Investitionsplan entfällt auf den Ausbau und die Instandsetzung des Kreisstraßennetzes. Rund 18 Millionen Euro sind für die Sanierung von 34 Kilometern Kreisstraßen sowie die Erneuerung von acht Brückenbauwerken vorgesehen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der maroden Tiefenbrücke an der K 47, die schon seit Langem als Unfallschwerpunkt gilt.
Landrat Dr. Heinrich Waldner erklärte bei der Vorstellung des Haushalts: „Wir haben in den vergangenen Jahren einen Sanierungsstau aufgebaut, der uns nun zwingt, entschlossen zu handeln. Mit diesen Investitionen setzen wir ein klares Zeichen für die Zukunftsfähigkeit unserer Region.“
Bildung und Digitalisierung erhalten Millionenbudgets
An zweiter Stelle der Investitionsprioritäten stehen die Schulen des Landkreises. Insgesamt 14 Millionen Euro sind für die Sanierung und Digitalisierung der drei Kreisberufsschulen sowie der Förderschule im Kernort geplant. Ein Schwerpunkt liegt auf der Ausstattung mit moderner Informationstechnologie, schnellen Glasfaseranschlüssen und klimafreundlichen Heizungssystemen.
In enger Zusammenarbeit mit dem Land Hessen soll zudem ein Pilotprojekt für digitale Unterrichtsmaterialien gestartet werden, das Obertiefenberg als Modelllandkreis bundesweit sichtbar machen soll. Kreisbeigeordneter Franz Kersting, zuständig für Bildung und Jugend, betont: „Unsere Schülerinnen und Schüler sollen die bestmögliche Bildungsinfrastruktur erhalten – das ist unser Versprechen.“
Klimaschutz als Querschnittsaufgabe
Erstmals fließen in Obertiefenberg 7,5 Millionen Euro in ein Klimaschutzprogramm, das kreisweite Maßnahmen zur CO2-Reduzierung bündelt. Dazu gehören die energetische Sanierung kreiseigener Gebäude, die Installation von Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Dächern sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge an Pendlerparkplätzen.
Der Naturpark Obertiefenberg soll außerdem mit neuen Wanderwegen und Radrouten aufgewertet werden, was gleichzeitig dem Tourismus zugutekommt. Hierfür sind weitere 2,2 Millionen Euro eingeplant.
Kritik aus der Opposition
Nicht alle Fraktionen im Kreistag sind mit dem Entwurf einverstanden. Die SPD-Fraktion bemängelt, dass die sozialen Einrichtungen zu wenig Berücksichtigung finden. Fraktionsvorsitzende Sabine Großmann kritisiert: „Während wir Millionen in Asphalt investieren, stehen die Beratungsstellen für Menschen in sozialen Notlagen vor dem Ruin.“ Sie fordert zusätzliche Mittel für die Schuldnerberatung und das Frauenhaus Obertiefenberg.
Die Grünen hingegen begrüßen das Klimaschutzprogramm, sehen aber noch Nachbesserungsbedarf beim ÖPNV. Fraktionssprecher Rüdiger Möhl mahnt: „Ohne attraktive Busverbindungen werden die Leute weiterhin aufs Auto angewiesen sein – das ist kontraproduktiv für unsere Klimaziele.“
Wie wird das finanziert?
Die Finanzierung des Rekordbudgets soll durch eine Kombination aus Fördermitteln des Landes Hessen, Bundeszuschüssen aus den Programmen „Brücken in die Zukunft“ und „Digitalpakt Schule“ sowie einer maßvollen Kreditaufnahme von 12 Millionen Euro erfolgen. Die Kreisumlage, die die Gemeinden an den Landkreis abführen müssen, soll nach aktuellem Stand stabil bleiben.
Die endgültige Abstimmung über den Haushalt 2026 ist für die Kreistagssitzung am 28. November vorgesehen. Bürgerinnen und Bürger können bis dahin Stellung nehmen — die Unterlagen liegen im Kreishaus zur Einsicht aus und sind auf der Website des Landkreises abrufbar.